OHC Bernstadt – SV Niederau: 27:28 (13:16)

Wer am Wochenende Lust auf gemütliches Kaffeetrinken hatte, war beim Auswärtsspiel des SV Niederau beim OHC Bernstadt definitiv an der falschen Adresse. In einer Partie, die an Dramatik kaum zu überbieten war, sicherten sich die Niederauer Männer mit einem hauchdünnen 28:27 (16:13) vorzeitig die Vizemeisterschaft – und bewiesen dabei mehr Comeback-Qualitäten als eine 90er-Jahre Boygroup.

Der Start in die Partie verlief nach dem Motto: „Wir geben denen mal drei Tore Vorsprung, sonst wird’s ja langweilig.“ Ehe man sich versah, prangte ein 0:3 von der Anzeigetafel. Ein klassischer Fehlstart? Vielleicht. Aber Niederau schüttelte sich nur kurz und schaltete den Turbo ein.

Das Tempospiel über die erste und zweite Welle rollte plötzlich wie eine gut geölte Maschine über die Bernstädter Defensive hinweg. Besonders Florian Geisler hatte an diesem Tag scheinbar ein Abonnement auf die „Tiefe“ gebucht: Er riss Lücken in die gegnerische Abwehr, die so groß waren, dass man darin hätte parken können, und nutzte diese eiskalt aus.

Und wo wir gerade bei starken Leistungen sind: Ein Sonderlob geht dieses Mal an unsere rechte Seite mit Geßler und Ilscher. Während im Umfeld ja gerne mal gemunkelt oder gar gemeckert wird, die rechte Seite sei das Sorgenkind, haben die beiden heute die passende Antwort auf der Platte gegeben. Die Kombination hat nicht nur funktioniert, sie hat abgeliefert! Wer jetzt noch behauptet, da liefe nichts zusammen, hat wahrscheinlich das falsche Spiel gesehen oder sollte dringend mal die Brille putzen.

Dank einer stabilen Abwehr und Torhütern, die zwischendurch den „Du-kommst-hier-nicht-rein“-Modus aktivierten, ging es mit einer verdienten 16:13-Führung in die Kabine.

Doch Handball wäre nicht Handball, wenn es nach der Pause nicht noch einmal richtig kuschlig geworden wäre. Bernstadt warf alles rein und fünf Minuten vor dem Ende trauten die mitgereisten Fans ihren Augen kaum: 25:27-Rückstand. Die Vizemeisterschaft schien in den sächsischen Abendhimmel zu entschwinden.

Doch dann schlug die Stunde der Moral . Während der Puls der Zuschauer vermutlich die 200er-Marke knackte, blieb Ritter am Siebenmeterpunkt, Wussi und Robin auf Links so cool, als würde sie gerade entspannt an der Elbe sitzen. Nervenstark verwandelten sie ihre Versuche und setzten in den allerletzten Minuten den Deckel drauf und drehten die Partie zum 28:27-Endstand.

Ein Sieg der mannschaftlichen Geschlossenheit, des Kampfgeistes und der lautstarken Fans, die die Halle zeitweise in ein Heimspiel verwandelten. Der SV Niederau belohnt sich für eine bärenstarke Saison und kann nun ganz offiziell die Korken knallen lassen. Historische Bestleistung.

Für den SVN: Stapsi, Theo (1), Kevin (alle Tor), Clemi, Robin (3), Justus (1), Luggi (1), Flori (5), Maxi, Ratschak, Wussi (1), Niki (5), Hans (3), Dustin, Huhn, Robert (8)