SG Kurort Hartha - SV Niederau 24:25 (12:13)
Nach dem furiosen Auftaktsieg am vergangenen Spieltag gegen Stahl Rietschen reiste die erste Männermannschaft des SV Niederau voller Selbstbewusstsein zum Aufsteiger SG Kurort Hartha. Die Vorzeichen in der Wilsdruffer Saubachtal-Sporthalle standen denkbar gut: Trainer und Betreuer konnten aus dem Vollen schöpfen und eine komplett volle Auswechselbank präsentieren. Auch auf den Rängen war die Kulisse würdig für einen echten Verbandsliga-Kracher. Beide Fanlager hatten die Trommeln mitgebracht, schenkten sich auf den Rängen nichts und sorgten ab Minute eins für ordentlich Radau und beste Handball-Atmosphäre.
Einen kleinen Haken gab es allerdings, der den Niederauer Ballkünstlern ordentlich Kopfzerbrechen bereiten sollte: Ein absolutes Harzverbot! Ein Spiel ganz ohne das geliebte Haftmittel erwies sich für die Gäste als mehr als tückisch, da sich so manche feine Handgelenkstechnik urplötzlich in eine unberechenbare Flugbahn verwandelte.
Dennoch erwischte der SVN den besseren Start in die Partie. Bereits in den ersten Minuten nutzte Florian Geisler die Lücken in der gegnerischen Deckung konsequent aus und traf sicher – ob aus dem Feld oder eiskalt vom Siebenmeterpunkt. Niederau erarbeitete sich schnell einen komfortablen Zwei- bis Drei-Tore-Vorsprung (1:3, 2:5, 6:9).
Eigentlich lief alles nach Plan, doch anstatt den Vorsprung weiter auszubauen, schlich sich schrittweise der Fehlerteufel im Abschluss ein. Niederau erspielte sich immer wieder beste Tormöglichkeiten, scheiterte aber zu oft am stark reagierenden Keeper der Gastgeber oder am Torgebälk. Da aus dem Distanzrückraum ohne Harz am Ball verständlicherweise wenig Durchschlagskraft kam, blieb die Devise klar: Lücken anspringen, Kreisanspiele wagen und die Außen bedienen. Mit einer knappen, aber verdienten 12:13-Führung für die Gäste ging es schließlich in die Kabine.
Der zweite Durchgang begann zunächst wie gemalt: Florian Wunder übernahm Verantwortung und schraubte den Vorsprung im Alleingang prompt wieder auf drei Tore hoch (12:15). Wer nun jedoch dachte, Niederau würde das Spiel souverän runterspielen, sah sich getäuscht. Anstatt den Sack zuzumachen, verlor der SVN völlig den Faden. Man rieb sich zunehmend an Schiedsrichterentscheidungen auf, verwickelte sich in Diskussionen und vergaß darüber schlichtweg das eigene Handballspielen.
Die Konzentration schwand, die Motivation von der Bank ließ spürbar nach und die Köpfe gingen nach unten. Hartha bestrafte diese Niederauer Selbstbeschäftigung eiskalt: Über den Ausgleich zum 18:18 zogen die Gastgeber mit einem eigenen Lauf bis zur 50. Minute sogar auf 22:19 davon. Das Spiel schien den Gästen endgültig zu entgleiten.
Doch in den letzten zehn Minuten erwachte der Niederauer Kampfgeist – und das nahm vor allem im eigenen Deckungszentrum seinen Anfang! Allen voran Henning Quade und Georg Arnold machten im Mittelblock ein überragendes Spiel. Sie packten in der Abwehr richtig zu, unterbrachen den Spielfluss der Harthaer immer wieder resolut, stellten den gegnerischen Angriff vor unlösbare Aufgaben und vernagelten das Zentrum regelrecht.
Mit diesem bärenstarken Rückhalt aus dem Mittelblock und einem souveränen Torhütergespann (Theo & Kevin) ging plötzlich auch nach vorne wieder die Post ab. Vorne rissen vor allem Florian Wunder, der sich unnachgiebig durchtankte, und Robert Ritter das Spiel in der absoluten Schlussphase an sich. Ritter behielt an der Siebenmeterlinie die Nerven und schweißte die Bälle zum Ausgleich und zur Führung im Netz ein. Mit einem imposanten 4:0-Lauf drehte Niederau das Drama binnen weniger Minuten vom 22:19 zum 23:25. Der späte Anschlusstreffer der Harthaer kurz vor dem Abpfiff war nur noch Kosmetik – der Auswärtssieg war eingetütet!
Ein Arbeits- und Zittersieg, den sich die Mannschaft des SV Niederau sicherlich einfacher vorgestellt hatte. Am Ende zählen im Abstiegskampf bzw. Aufstiegsrennen jedoch nur die zwei Punkte auf dem Konto – und die nimmt der SVN nach dieser turbulenten Achterbahnfahrt liebend gerne mit nach Hause!
Für Niederau; Florian Geisler (7/4 - verbrannte sich die Zunge am Dönerauflauf), Florian Wunder (7 - kann heute im Sport bestimmt nicht vorturnen), Robert Ritter (4 - liegt gedanklich noch in der Therme); Georg Arnold (2 - hat 2 Tore gemacht? Der hat doch einen komplett neben das Tor geworfen?!); Kevin Hein (stellt sich das nächste mal bitte nicht auf drei Parkplätze); Patrick Fetzer (2 - macht fast so gute Abroller wie Emil Jakobsen); Lucas Blanck (1 - Konnte keinen Dreher ansetzen); Leon Jordan (1 - hat mit dem Spiel von der Zweiten Männer seine 10 Tore voll - Kiste); Maximilian Gröger (1 - spielt mehr an Kreis oder Außen als selbst zu werfen)
Niklas Ilschner und Justus Ilschner (2 - Würfen aus dem Rückraum so scharf wie D-Jugend-Würfe); Max Wustlich (0 - ganz feines Händchen am Ende); Theo Schrader (kann nur abseits des Spielfeldes lachen); Henning Quade (Hat keinen Angriff spielen dürfen); Hans Schuster & Clemens Fetzer (10 mal knochenfrei - 0 Anspiele - man könnte denken die zwei spielen Außen)