SV Niederau – SG Pirna Heidenau II 27:28 (13:12)
Was für ein Abend in der BSZ-Halle Meißen! Wenn der Tabellenführer SG Pirna/Heidenau II beim SV Niederau gastiert und es dabei um nicht weniger als die Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen geht, dann ist eines garantiert: eine volle Halle, lautstarke Fans auf beiden Seiten und jede Menge Emotionen. Genau so kam es auch – beste Handball-Atmosphäre und ein Spiel, das diesem Rahmen mehr als gerecht wurde.
Allerdings erwischten die Gäste den deutlich besseren Start. Besonders über den Rückraum kam Pirna immer wieder zu einfachen Toren und setzte sich früh auf 0:3 ab. Niederau brauchte ein paar Minuten, um ins Spiel zu finden, kämpfte sich dann aber mit viel Einsatz zurück. Über Ilschner, Haberstock und Co. gelang der Ausgleich zum 8:8 nach gut einer Viertelstunde – und da war sogar noch mehr drin, wenn nicht das ein oder andere Wurfpech im Weg gestanden hätte.
In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, wie man ihn sich in einem Spitzenspiel nur wünschen kann. Die Führung wechselte hin und her, kein Team konnte sich entscheidend absetzen. Niederau stabilisierte zunehmend die Abwehr und brachte den Angriff der Gäste immer öfter ins Stocken. Gleichzeitig lief es im eigenen Angriff ordentlich, auch wenn die Chancenverwertung durchaus noch Luft nach oben ließ. Mit einer knappen, aber verdienten 13:12-Führung ging es schließlich in die Halbzeitpause.
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich Niederau dann zeitweise sogar als die abgeklärtere Mannschaft. Die Gastgeber bauten ihren Vorsprung zwischenzeitlich auf drei Tore aus – beim 18:15 in der 38. Minute und später beim 24:21 schien das Momentum klar auf Niederauer Seite. Angetrieben von einer lautstarken Halle und einem treffsicheren Lucas Blanck vom Siebenmeterpunkt spielte man sich in einen kleinen Rausch.
Doch Pirna bewies, warum sie an der Tabellenspitze stehen. Mit viel Tempo, körperlicher Präsenz und der nötigen Kaltschnäuzigkeit kämpften sich die Gäste zurück ins Spiel. In der 53. Minute fiel der Ausgleich zum 26:26 – und spätestens jetzt war klar: Das wird ein echter Krimi bis zur letzten Sekunde.
Die Schlussphase hatte es dann in sich. Intensive Zweikämpfe, Zeitstrafen auf beiden Seiten und jede Menge Emotionen sorgten für eine aufgeheizte Stimmung. Auch die Schiedsrichter hatten alle Hände voll zu tun, den Überblick zu behalten. Am Ende waren es die Gäste, die in den entscheidenden Momenten einen kühleren Kopf bewahrten und sich gut anderthalb Minuten vor Schluss erstmals wieder etwas absetzen konnten.
Niederau warf in den letzten Sekunden noch einmal alles nach vorn und kam auf 27:28 heran, doch die Zeit reichte nicht mehr für den Ausgleich. So stand am Ende eine denkbar knappe Niederlage in einem Spiel, das eigentlich keinen Verlierer verdient gehabt hätte.
Trotzdem bleibt aus Niederauer Sicht vor allem eines hängen: eine starke Leistung gegen den Tabellenführer, ein Spiel auf absoluter Augenhöhe und die Erkenntnis, dass man ganz oben mitspielen kann. Mit ein wenig mehr Glück wäre an diesem Abend definitiv mehr drin gewesen – vielleicht sogar der große Wurf. So bleibt die Gewissheit, alles gegeben zu haben, und ein Spiel, das den Fans noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Und vielleicht ist genau das der größte Erfolg: Wenn man sich vor Augen führt, dass beim SV Niederau vor rund 3-4 Jahren wohl niemand ernsthaft daran gedacht hätte, einmal einen Spielbericht über ein echtes Meisterschaftsduell zu schreiben, dann zeigt das eindrucksvoll, welche Entwicklung dieser Verein genommen hat. Umso mehr gilt es, großen Respekt vor der Arbeit des Trainerteams und der Leistung der Mannschaft zu zollen. Dass heute Spiele wie dieses unter solchen Vorzeichen stattfinden, ist alles andere als selbstverständlich – sondern das Ergebnis von jahrelanger, harter und leidenschaftlicher Arbeit.
Für Niederau: Stapsi, Kevin, Theo (alle Tor); Clemi, Michi, Georg (1), Pati (2), Robin (5), Justus (3), Lucas (7), Flori, Maxi (1), Wussi (1), Niki (4), Hans (3), Justin (1).