Radebeuler HV – SV Niederau 32:30 (20:15)
Es gibt Spiele, die vergisst man schnell. Und dann gibt es Spiele, die man vergessen möchte. Der Samstagabend in der Lößnitz-Sporthalle gehörte für den SV Niederau eindeutig zur zweiten Kategorie. Nach dem überzeugenden Heimsieg gegen Rietschen in der Vorwoche reiste man mit ordentlich Rückenwind zum drittletzten der Liga, dem Radebeuler HV. Das Hinspiel hatte man noch deutlich zweistellig gewonnen – die Rollen schienen also klar verteilt. Tja… dachten wir.
Doch Handball wäre nicht Handball, wenn sich nicht alles innerhalb von 60 Minuten komplett drehen könnte. Und so wurde aus der geplanten Pflichtaufgabe ein äußerst zähes, nervenaufreibendes Spiel – mit einem Radebeuler Torhüter, der offenbar beschlossen hatte, an diesem Abend in die Geschichtsbücher einzugehen.
Der Name des Abends: Johann Voigt. Die Nummer 16 im Tor der Hausherren war weniger Keeper und mehr Kraken. Über 20 Paraden, darunter gefühlt jede zweite freie Chance von sechs Metern – insgesamt 17 (!) unbedrängte Würfe entschärft. Damit zog er dem Niederauer Angriff früh den Zahn, später dann den ganzen Kiefer und zum Schluss vermutlich auch noch die Weisheitszähne.
Doch nicht nur im Angriff hakte es. Auch in der Defensive hatte der SV Niederau an diesem Tag immer einen Tick zu wenig – ein Schritt zu spät, ein Arm zu kurz, ein Gedanke zu langsam. Statt geschlossen als Abwehrblock zu agieren, stürzte man häufig früh heraus und ließ sich dann im Eins-gegen-eins schlagen.
Und das nutzte Radebeul gnadenlos aus. Immer wieder kassierte Niederau 1-gegen-1-Tore, vor allem aus dem Rückraum oder über die Halben, wo die Gastgeber mit viel Tempo und Entschlossenheit agierten. Für die Niederauer Abwehr bedeutete das: viel Laufarbeit, viel Kontakt – und leider oft das Nachsehen.
Bis zum 4:4 sah es noch ordentlich aus, doch danach setzte sich Radebeul Schritt für Schritt ab. Über 8:4, 12:6 und 16:10 ging es zur Pause mit einem 20:15-Rückstand in die Kabine. Kein Debakel – aber definitiv kein guter Tag im Büro.
In der zweiten Halbzeit dasselbe Bild: Niederau kämpfte, verkürzte hier und da, kam aber nie wirklich in Schlagdistanz. Der Abstand pendelte konstant zwischen vier und fünf Toren. Immer wenn man dachte: „Jetzt! Jetzt sind wir dran!“, kam entweder ein Eins-gegen-eins-Tor der Gastgeber – oder ein weiterer Ball landete in den Händen von Herrn Voigt. Man hätte meinen können, der Mann hätte einen Magneten in den Handschuhen.
Zwar versuchte man sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen, doch insgesamt fehlte der offensive Rhythmus. Zu viele Einzelaktionen, zu wenig Durchschlagskraft im Kollektiv – und eben zu viele verworfene Chancen.
Die zahlreich mitgereisten Niederauer Fans gaben wie immer alles, peitschten die Mannschaft nach vorne, klatschten, riefen, hofften – doch an diesem Abend half auch der lauteste Support nicht gegen einen überragenden Torhüter und eine entschlossene Radebeuler Mannschaft.
Am Ende stand eine 32:30-Niederlage, die auf dem Papier knapp aussieht, sich auf dem Feld aber wie ein Dauerlauf mit Bleiweste anfühlte.
Jetzt heißt es: Mund abwischen, Pause nutzen, Wurftraining intensivieren, Abwehr wieder als Block organisieren – und dann mit frischem Kopf und schärferen Zähnen in die nächste Partie gehen. Denn eines ist klar:
Dieses Spiel will man genau einmal sehen. Und dann nie wieder.
Für Niederau: Hein, Staps (beide Tor), Michi (1), Georg, Pati (2), Robin (2), Justus (4), Lucas (5), Flori, Maxi, Wussi, Niki (4), Henning (2), Hans, (2), Dustin (2), Robert (6)